“Sind Sie schon angemeldet?”

An der bereits erwähnten Tagung haben wir uns in einem Workshop damit befasst, wie im Pflegekontext mit dem von einer krebskranken Frau geäusserten Wunsch nach assistiertem Suizid umgegangen werden kann.

In der Gruppe waren erfahrene Pflegefachpersonen und Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sie kannten die Situationen und waren fähig, professionell und einfühlsam mit der betroffenen Frau über ihren Wunsch zu sprechen.

Dennoch stellen sie relativ früh im Gespräch die Frage: „Sind Sie schon angemeldet?“ Gemeint ist die Anmeldung der Frau bei der Suizidassistenzorganisation.

Wenn dies der Fall ist, stellt sich bei den Fachpersonen gegenüber der Patientin eine gewisse Erleichterung ein: Sie ist nun versorgt. Schliesslich will sie es ja.

Die Patientin wird „übergeben“. Gespräche kann sie jetzt „mit denen“ führen, um die Begleitung zu organisieren. Manche Heime haben interne Prozesse definiert.

Es ist gut, wenn die Patientin ihren Wunsch im Heim ansprechen kann. Es ist gut, dass ihr Optionen zur Verfügung stehen. Und es stimmt auch, dass die Situation für die Mitarbeitenden anspruchsvoll ist, zusätzlich zu ihrer ohnehin schon herausfordernden täglichen Arbeit.

Für die allfällige Ambivalenz der Patientin hinsichtlich ihres Wunsches bleibt jetzt nur noch wenig Raum. Die Suizidassistenzorganisation betont, dass Mitglieder warten oder sich jederzeit umentscheiden können. Wenn eine Suizidassistenzorganisation dies jedoch jeweils dann ausspricht, wenn gerade Zweifel oder Trauer im Vordergrund stehen, reissen sich viele zusammen und gehen im Prozess weiter.

Deshalb muss unabhängige, ergebnisoffene, fachliche und empathische Beratung angeboten werden. Es muss Raum dafür bleiben.

Sie soll freiwillig und niederschwellig sein, aber den Platz zum Durchatmen und Nachdenken bieten, den es braucht. Für alle.

Es geht nicht nur um die Frage, ob dieser Weg gewählt werden kann, sondern auch darum, wie.

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