Corinne Hafner Wilson Corinne Hafner Wilson

“Ich kann doch jetzt nicht schon traurig sein, sie ist ja noch am Leben!”

Antizipierte Trauer - der Raum zwischen Hoffnung und Loslassen

Diese Worte, die ich hier zitieren darf, stammen von einer Klientin, deren Mutter einen assistierten Suizid geplant hat. Das Datum steht fest. Für die schwerkranke Mutter ist dies eine Erleichterung, doch die Angehörigen versuchen noch ihre Emotionen zu ordnen.

Freude, noch Zeit zusammen verbringen zu können

Dankbarkeit, Abschied nehmen zu können

Erleichterung, das die Mutter den Weg gehen kann, den sie sich wünscht

Erschöpfung, nach Monaten des Begleitens und Vorbereitens

Zweifel, ob es wirklich gut ablaufen wird

Aber Trauer? Die fühlt man doch erst DANACH….?

Antizipierte Trauer ist die Vorwegnahme des Abschieds in Gedanken, wenn Gefühle schwanken zwischen Hoffnung und Loslassen.

Es ist möglich, gleichzeitig zu hoffen und zu trauern. Diese Ambivalenz ist kein Fehler, sondern typisch für antizipierte Trauer. Sie kann sich intensiver oder widersprüchlicher anfühlen.

Was kann unterstützen?

Gefühle und Ambivalenz zulassen

Antizipierte Trauer ist normal und kein Zeichen von Schwäche oder „Aufgeben“.

Soziale Unterstützung aktivieren

Wahrgenommene Unterstützung kann die Belastung deutlich reduzieren

Vorbereitung als Ressource verstehen

Warum ist das wichtig?

Antizipierte Trauer kann den Übergang in die Trauer nach dem Verlust erleichtern, weil ein Teil des Prozesses bereits gelebt wurde

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Sterbewunsch - wie reagieren?


Wenn ein Sterbewunsch geäussert wird – Wie reagiere ich als Angehörige?

Plötzlich ist da dieser tiefe Seufzer. Die Mutter sagt:
„Ich mag nicht mehr. Ich habe genug.“

Was meint sie?
Das Haare kämmen? Die fade Suppe im Heim? Oder… das Leben?

Vielleicht spüren Sie, dass es um mehr geht. Um das Sein, die Schmerzen, die fehlende Freude. Und dann stellt sich die Frage: Wie reagiert man in so einem Moment?

Nicht wahr haben wollen

Als ich vor vielen Jahren im Erstkontakt einer Sterbehilfeorganisation Telefonanrufe entgegennahm, hörte ich oft:
„Meine Angehörigen nehmen mich nicht ernst. Sie widersprechen, werden wütend oder schimpfen sogar mit mir.“

Die Betroffenen fühlten sich unsicher und allein. Sie wollten ehrlich sein, ohne ihre Liebsten zu verletzen. Doch irgendwann war es Zeit auszusprechen: Dass man nicht mehr kann, lieber sterben möchte, und zwar selbstbestimmt.

Wie können Sie als Angehörige reagieren?

  • Fragen Sie nach:
    Was genau meinst du? Was magst du nicht mehr? Wovon hast du genug?

  • Seien Sie da:
    Was brauchst du gerade? Wie kann ich dich im Moment unterstützen?

Nachfragen und ruhig das Gespräch suchen sind wichtig. Vielleicht spüren Sie den Impuls, zu widersprechen oder wegzulaufen. Atmen Sie durch. Und sagen Sie ehrlich, wie es Ihnen geht. Zum Beispiel:

„Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Danke, dass du so ehrlich bist. Lass mich kurz nachdenken – ich möchte dir dann aber zuhören.“

Warum das wichtig ist

Solche Gespräche sind schwer. Sie müssen nicht sofort Lösungen haben – Zuhören ist im Moment am wichtigsten


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