“Ich kann doch jetzt nicht schon traurig sein, sie ist ja noch am Leben!”
Diese Worte, die ich hier zitieren darf, stammen von einer Klientin, deren Mutter einen assistierten Suizid geplant hat. Das Datum steht fest. Für die schwerkranke Mutter ist dies eine Erleichterung, doch die Angehörigen versuchen noch ihre Emotionen zu ordnen.
Freude, noch Zeit zusammen verbringen zu können
Dankbarkeit, Abschied nehmen zu können
Erleichterung, das die Mutter den Weg gehen kann, den sie sich wünscht
Erschöpfung, nach Monaten des Begleitens und Vorbereitens
Zweifel, ob es wirklich gut ablaufen wird
Aber Trauer? Die fühlt man doch erst DANACH….?
Antizipierte Trauer ist die Vorwegnahme des Abschieds in Gedanken, wenn Gefühle schwanken zwischen Hoffnung und Loslassen.
Es ist möglich, gleichzeitig zu hoffen und zu trauern. Diese Ambivalenz ist kein Fehler, sondern typisch für antizipierte Trauer. Sie kann sich intensiver oder widersprüchlicher anfühlen.
Was kann unterstützen?
Gefühle und Ambivalenz zulassen
Antizipierte Trauer ist normal und kein Zeichen von Schwäche oder „Aufgeben“.
Soziale Unterstützung aktivieren
Wahrgenommene Unterstützung kann die Belastung deutlich reduzieren
Vorbereitung als Ressource verstehen
Warum ist das wichtig?
Antizipierte Trauer kann den Übergang in die Trauer nach dem Verlust erleichtern, weil ein Teil des Prozesses bereits gelebt wurde