"Ich muss Sie nicht verstehen, Sie entscheiden das ganz selbstbestimmt."

So berichtete mir eine  Person von Ihrem Gesprächsversuch mit einer Suizid-Assistenz-Organisation.


Selbstbestimmung ist kein Argument, schwierige Gespräche abzukürzen oder Verantwortung abzugeben.

Viele Menschen äussern einen Sterbewunsch nicht, weil sie wirklich sterben wollen, sondern weil sie keine Perspektive mehr sehen. Weil sie sich belastend fühlen. Weil sie nicht wissen, welche Unterstützung es überhaupt gibt.

Gerade dann braucht es Orientierung – nicht Rückzug.

Wer als Organisation oder Berater in Anspruch nimmt, einen assistierten Suizid vorbereiten zu können, der muss auch fachlich und zeitlich Verantwortung übernehmen.

Selbstbestimmung beschreibt den Ursprung einer Entscheidung, nicht die Qualität.

Der eigene Wille kann selbsbestimmt, und dennoch unüberlegt sein. Selbstbestimmung sagt nichts darüber aus, ob jemand:

die Konsequenzen versteht, Alternativen kennt, sich belastend fühlt, in einer Krise steckt

oder schlicht keine Sprache für sein Leiden hat.

Gerade deshalb braucht Selbstbestimmung Raum, damit sie tragfähig wird: Wissen, Zeit, Beziehung, Orientierung.

Selbstbestimmung ohne Aufklärung ist ein Mythos

Wer sagt „Es ist doch ihr Entscheid“, übersieht oft, dass Entscheidungen immer in einem Kontext entstehen – und dieser Kontext kann eng, verzerrt oder belastet sein.

Und diesen Kontext muss man mit einer Fachperson spiegeln können, mit einer Person die zuhört, Raum gibt, versteht. Aufklärung bedeutet nicht, jemanden zu überreden. Sie bedeutet, jemanden ernst zu nehmen.



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